Methodik
Eine mittelfristige Prognose der Arbeitsmarkt- und Berufsentwicklung bis in fünf Jahren erfordert sowohl eine Prognose der zukünftig
nachgefragten Arbeitskräfte als auch eine Schätzung des regional vorhandenen Arbeitskräfteangebots.
Prognose der Arbeitsnachfrageentwicklung
Für die Prognose der zukünftig nachgefragten Arbeitskräfte werden die langfristige Trendentwicklung und der konjunkturelle Einfluss auf
die ausgewählten Berufsgruppen und Berufsordnungen analysiert.
Ausgangspunkt der Nachfrageprognose ist die Zeitreihe der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen der letzten 20 Jahre für
die Teilregionen. Diese liegen differenziert für die Berufsgruppen und -ordnungen vor.
Die langen Zeitreihen werden mit Hilfe der ökonometrischen Zeitreihenanalyse untersucht und es erfolgt eine Spezifizierung geeigneter
ARIMA bzw. ARDL-Modelle. In diesem Zug werden identifizierte Strukturbrüche und die konjunkturelle Entwicklung für die einzelnen
Berufsgruppen jeweils in geeigneter Weise modelliert. Anschließend wird mit diesen Modellen die mittelfristige Entwicklung der Nachfrage
bis in fünf Jahre geschätzt.
Die Einschätzung der Experten und Expertinnen, die schriftlich zu der Nachfrageentwicklung in den einzelnen Berufen befragt wurden,
fließt in die Spezifizierung der quantitativen Nachfragemodelle ein.
Prognose der Arbeitsangebotsentwicklung
Grundlage für die Projektion des regionalen Arbeitsangebots nach Berufsgruppen und Qualifikationsstufen ist die Einbeziehung von Daten
der Bevölkerungsentwicklung einschließlich Wanderungen sowie des Erwerbsverhaltens. Auf der Basis eines stufenweisen Schätzmodels wird das
regionale Arbeitsangebot bis in fünf Jahren prognostiziert.
Ausgehend von einer regionalisierten Bevölkerungsprognose für Hessen und die Regierungsbezirke wird die Entwicklung der erwerbsfähigen
Personen abgeleitet. Dazu werden die arbeitsmarktrelevanten Bevölkerungsgruppen mit ihren alters- und geschlechtsspezifischen Erwerbsquoten
gewichtet. Die Ausgangsdaten sind differenziert nach Alter, Geschlecht, Beruf und Qualifikation für jede einzelne der untersuchten
Teilregionen. Im zweiten Schritt erfolgt eine Zusammenführung dieser Ausgangsdaten mit der künftigen Erwerbsbeteiligung, um eine
mittelfristige Prognose des in den jeweiligen Teilregionen wohnhaften Potenzials an Arbeitskräften zu erhalten. In die Abschätzung der
künftigen Erwerbsbeteiligung fließen folgende Faktoren ein:
- Wanderungen und demographische Entwicklung
- Erhöhung des Renteneintrittsalters
- Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit
Unter Berücksichtigung all dieser Effekte lässt sich die nach Kreisen, Beruf, Qualifikation, Alter und Geschlecht differenzierte Prognose
des Arbeitsangebots erstellen. Die qualifikations- und berufsspezifische Erwerbsbeteiligung wird dabei als strukturkonstant angenommen.
Erkenntnisse über berufsspezifische Entwicklungsmuster fließen als ergänzende Experten-Informationen in die Endergebnisse ein.
Zusammenführung der Nachfrage- und Angebotsprognose
Die Erwartung über das mittelfristig verfügbare Arbeitskräfteangebot wird mit der prognostizierten Nachfrage abgeglichen. Die
Gegenüberstellung der projizierten mittelfristigen Angebots- und Nachfrageentwicklung kann helfen, Überschüsse bzw. Defizite auf dem
Arbeitsmarkt zu identifizieren. Diese Ergebnisse werden mit der in der schriftlichen Befragung eingeholten Einschätzung der Experten und
Expertinnen abgeglichen und im Anschluss gemeinsam mit ausgewählten Experten und Expertinnen auf Workshops diskutiert. Somit werden
Mismatches in bestimmten Berufen bzw. Berufsgruppen erkannt. Die Ergebnisse der mittelfristigen Prognose bilden einen ersten Anhaltspunkt
für die regionale Aus- und Weiterbildungspolitik.
Expertenbefragung
Die schriftliche Expertenbefragung dient zum einen, wie im vorigen Kapitel beschrieben, der Einschätzung der Experten und Expertinnen zu
der Nachfrageentwicklung und Mismatches in den einzelnen Berufen, und zum anderen zur Beurteilung der zukünftigen Branchenentwicklung, die
Entwicklung neuer Berufe und neuer Qualifikationsanforderungen. Diese ersten Einschätzungen werden als Grundlage für die folgenden
Expertenworkshops genommen.
Expertenworkshops
Die Expertenworkshops werden für jede Region einzeln durchgeführt und dienen zunächst der Diskussion der Mismatches. Hier wird die
Einschätzung der Expertenrunde zur Plausibilitätsprüfung der Ergebnisse verwendet. Danach werden Zukunftsszenarien für den regionalen
Arbeitsmarkt entworfen, um besondere Problemfelder der Region zu identifizieren. Schließlich werden die Workshops dazu genutzt,
Handlungsfelder abzuleiten und einen konkreten Maßnahmenkatalog zu entwickeln. Die Workshops dienen aber nicht nur zur Konkretisierung,
sondern auch der Verbreitung der Ergebnisse sowie der Initiierung von Handlungen in der Region.
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